Skip to content

Spiele-Journalismus und Werbung

02/06/2010

Schon seit Längerem verschwimmen in den verschiedenen Segmenten des Fachjournalismus die Grenzen zwischen nüchterner Berichterstattung und gezielter PR oder Werbung. Die Beispiele sind mannigfaltig, die Gründe natürlich ökonomisch bedingt und kaum ein Genre ist nicht davon betroffen. Gerade Special-Interest Publikationen sind dabei besonders von der Ambivalenz geprägt, „objektiver“ Beobachter  sowie (freiwillige/unfreiwillige) Werbeplattform zugleich zu sein. Das ist nur natürlich – auch wir wissen, dass jede unserer Meldungen zu neuen Produkterscheinungen oder positive Reviews im Grunde unbezahlte Werbung für die Industrie sind. Wenn man so will, wirbt so jedes Computer- und Videospielmagazin für das Hobby insgesamt.

Allerdings gibt es gewisse Grenzen und ich möchte betonen, dass wir völlig unabhängig sowie nur bei gutem Gewissen (d.h. es lohnt sich wirklich) ein bestimmtes Produkt empfehlen. Bei einigen großen, professionellen Webseiten der Szene bin ich mir in diesem Punkt leider nicht mehr so sicher. Ein besonders krasses Beispiel hat mir dabei auf Gamestar.de zu denken geben: In einem „Artikel“ werden dort die besten Spiele für Apple’s iPad vorgestellt. An sich keine schlechte Sache, schließlich ist das Magazin ja dazu da, den Kunden durch den recht unübersichtlichen Markt zu führen. Allerdings wird schon ziemlich kräftig die Werbetrommel für das iPad gerührt. Was mir besonders ins Auge fiel waren nicht die sehr positiven Worte zu wahrscheinlich guten Spielen oder die genauen Preisangaben – das machen wir ja auch, als Spieler will man wissen, wie viel man investieren muss – sondern die direkte Verlinkung jedes Titels zum iTunes Store. Einem iPad-Produktkatalog gleich, kann der interessierte Kunde mit dem nächsten Klick das angepriesene Produkt direkt käuflich erstehen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher was ich davon halten soll. Ist dies nur ein einfacher Service, der die schnellen Verlinkungs-Möglichkeiten des Cyberspace nutzt? Oder lässt sich hier weiter zunehmender  Einfluss der Industrie auf den Spiele-Journalismus beobachten?

Sicher wird einigen diese Verlinkung nur logisch erscheinen – immerhin preist man ja ein Produkt im Bericht an, warum sollte man dann nicht gleich auf den Händler verweisen? Wieder andere werden dem Ganzen wahrscheinlich keine bis geringe Relevanz einräumen. Ich trete dieser Entwicklung aber eher etwas skeptisch gegenüber. Das man mich nicht falsch verstehe: Wenn etwas gut und empfehlenswert ist, dann sollte man dies auch den Rest der Welt wissen lassen. Jedoch gilt es den Eindruck zu vermeiden, im direkten Dienste eines bestimmten Herstellers zustehen. Genau diesen merkwürdigen Beigeschmack hinterlässt aber der oben genannte Artikel für mich. Es sind manchmal die Details, die ausschlaggebend sind. Mich hat der direkte Verweis auf den iTunes gestört und mein „Vertrauen“ in die Berichterstattung getrübt. Vielleicht war die Verlinkung wirklich nur als eine gut gemeinte Dienstleistung geplant – für Apple ist sie aber fraglos in jeder Hinsicht profitabel. In jedem Falle ermahnt das Beispiel mehr als nur eine Meinung zu einem bestimmten Produkt einzuholen – und stets alles und allem kritisch gegenüberzutreten.

Grundsätzlich gibt es Verschiedenes an diesem journalistischen Subgenre zu bemängeln – lest hier einen interessanten Kommentar auf industrygamers (Englisch), der einige der prägnantesten Punkte herausgreift.

Advertisements
2 Kommentare leave one →
  1. 02/06/2010 11:52

    Kann man die Games nur über den iTunes Store kaufen? Dann wäre das für mich ok. Wenn es noch andere Vertriebswege gibt, dann ist das schon bedebklich für eine Spielezeitschrift.

  2. Dennis permalink
    02/06/2010 12:01

    Guter Punkt!!! Wahrscheinlich sind die Spiele ausschließlich über den iTunes Store erhältlich. Das wirft so gesehen dann natürlich ein etwas anderes Licht auf die Sache. Jedoch sollte man dann auch darauf verweisen, dass Apple sich hier ein weiteres Monopol gesichert hat und dem Kunden nur wenig Auswahlmöglichkeiten offen stehen. Man muss keineswegs zwanghaft nach Kritikpunkten fahnden, letztlich fehlt mir hier aber die kritisch-distanzierte Reflexion…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: