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God of War 3: Der Olymp brennt, die Götter sind tot

06/04/2010

Review: God of War 3 (PS3)

Mit der God of War-Reihe (GoW) schuf  sich Sony 2005 eine sehr populäre Actionspiel-Marke, die bis heute Millionen Fans weltweit gefunden hat. Für Die Playstation ist die Serie von großer Bedeutung, nicht zuletzt auch wirtschaftlich im Wettbewerb mit Microsoft (in diesem Fall weniger Nintendo). Der erste Teil wurde von  Spielern wie Kritikern damals äußerst positiv aufgenommen und gilt bis heute als Klassiker für die PS2. Gameplay, Grafik, Design und Inhalt überzeugten auf ganzer Linie – den Entwicklern gelang es all diese Elemente so harmonisch zu orchestrieren, das am Ende ein sehr kurzweiliges, spannendes wie unterhaltsames Spiel herauskam. Die Mischung aus aufreibender Gemetzel-Action und ruhigeren Rätselpassagen, angesiedelt in einer äußerst gewalttätigen Version des antiken, mythischen Griechenland, konnte viele auf Anhieb begeistern. Der Hauptcharakter und Antiheld Kratos wurde gewissermaßen zu einer der Ikonen für Sony’s Videospielsparte – welche, anders als Nintendo oder etwa Sega, nie so richtig bestimmte Spielfiguren als Aushängeschild seiner Konsolen etablieren konnte (und vielleicht auch gar nicht wollte). 2007 ging die Fortsetzung von GoW an den Start, die zwar keine großartigen Erneuerungen mit sich brachte, dennoch Spielspass auf hohem Niveau bescherte. Dies gerade auch weil man am Altbewährten festhielt. 2008 erschien ein weiterer Ableger für die PSP. Seither waren alle Augen auf die Fortsetzung für Sonys nächste Konsolengeneration gerichtet – auf den HD Ableger für die PS3. Auch dieser bleibt einst eingeschlagenen Pfaden treu, was all die vielen Vor- aber auch einige wenige Nachteile mit sich bringt. Lest hier, warum GoW3 alles in allem ein äußerst spielenswerter, beeindruckender Titel ist…

Die Handlung:

Wie auch schon in Vorgängern erlebt Ihr die Geschehnisse aus der Perspektive des Spartaners Kratos, der durch die Ereignisse in Teil eins erst Ares als ultimativen Kriegsgott ablöst, in Teil 2 aber mit den übrigen Göttern in Streit gerät. Diese können den Machtgierigen und Blutlüsternen Glatzkopf nämlich gar nicht leiden und versuchen ihm den Gar aus zu machen. Unterstützung und letztlich Rettung erfährt Kratos durch die Titanen um Gaia, die schon seit längerem auf Rache an Zeus und Co. sinnen – und genau da, wo GoW2 endete, setzt dann auch Teil 3 an: Auf den gigantischen Titanen „reitend“ erstürmt unser rastlos-zorniger Klingenschwinger den Olymp, um Rache an den Göttern zu nehmen. Diese Heimzahlung erlittenen Unrechts ist der Kern des Spiels, das Hauptmotiv der Handlung. Ein Gott nach dem anderen fällt Kratos Zorn zum Opfer, bis am Ende der Göttervater selbst an der Reihe ist. Während des unglaublich blutigen Rachefeldzuges fahrt Ihr dabei einmal in den Hades und zurück auf die Spitze des Olymp. Während der Reise trefft Ihr vielerlei Gestalten aus der griechischen Mythologie und Götterwelt: Poseidon, Hera, Hermes usw. kreuzen Euren Weg. Nur wenige überleben diese Begegnung. Allerdings findet Kratos in Figuren wie Pandora auch  Verbündete und in Aphrodite eine Spielgefährtin für Erwachsenen-Beschäftigungen. Insgesamt präsentiert GoW3 eine sehr gewalttätige Interpretation des antiken Griechenlands; ein ziemlich amerikanisches Mash-Up, dass trotz (oder vor allem aufgrund) seines simplen wie rohen Charakters durchaus zu unterhalten weiß. Um der Gewaltorgie doch noch etwas tiefe zu verleihen, setzt sich vor allem der Schluss des Spiels mit der überraschend komplexen Natur des Hauptcharakters auseinander. Insgesamt ist die Story kein vielschichtiger Geniestreich, passt aber vollends zum stimmungsvollen Design und bleibt beim ersten Mal durchspielen bis zum Ende spannend.

Die Spielmechanik:

Wie gesagt: GoW3 erfindet das Franchise nicht neu – im Gegenteil: Dem Gameplay kommen keine echten Erneuerungen zuteil, Experimente werden nicht gewagt, Revolutionen sucht man wo anders. Das hat deutliche Vorteile: Spieler der  beiden Vorgänger finden sich sofort zurecht und hacken sich per Combo-Attacken durch die untoten Gegnermassen. Für größere Ungeheuer werden ab einem bestimmten Punkt Tastenkombinationen eingeblendet, die zu einem meist brutal-furiosen Finish-Move führen. Allerdings sollte man hier fixe Finger haben: Denn verpasst man den rechten Zeitpunkt, wehren sich Eure Widersacher mit spürbarer Vehemenz gegen die dreisten Übergriffe. Aber auch Neueinsteigern geht die intuitive Steuerung gleich ins „Blut“: Schon nach wenigen Minuten zaubern auch sie verheerende Kombi auf den Bildschirm. Kratos kann laufen, springen, klettern, hechten, zu Seite und nach vorne rollen, Bogen schießen, Kisten verschieben, Katapulte abfeuern, und, dank seiner ausfahrbaren Adlerschwingen, auch gleiten. Daneben im Verlauf des Spiels vier Paare verschiedener Waffen zur Verfügung, die alles die grundlegenden Angriffe teilen, sich aber in Stärke, Reichweite sowie Bonusattacken unterscheiden. Ganz serientypisch könnt Ihr Eure Klingen, Kampfhandschuhe etc. bis zu fünf Stufen aufleveln. Besiegt Gegner und öffnet entsprechende Truhen, um rote Bloodpoints zu erhalten, die Ihr dann in das Aufstufen investieren könnt. Gleiches gilt für Items wie z.B. Hermes‘ Stiefel (lassen euch sprinten und Wände hochlaufen) oder Helios‘ Kopf (eine etwas andere Laterne). Grüne und blaue Punkte laden Eure Lebens- bzw. Zauberenergie auf. Daneben könnt Ihr Phönixfedern (verlängerte Magieleiste), Gorgonenaugen (verlängerte Lebensleiste) und Minotaurenhörner (stärkere Spezialattacken) sammeln. Zu Euren Widersachern zählen neben den Horden von Untoten auch Zentauren, Minotauren , Zyklopen, Chimären und Medusen.

Die Level sind eher linear aufgebaut, die verschiedenen Rätsel sind keine wirkliche Herausforderung – bilden oft aber ein Gegengewicht zu den lauten, schnellen Actionsequenzen. Die Areale sind meist riesig, genauso wie die Gegnerhorden. Diese lassen sich anfangs in drei (Easy, Normal, Hard), später vier (Titan Mode) Schwierigkeitsgraden herausfordern. Zuvorkommend: Sterbt Ihr an einer spezifischen Stelle mehrere Male hintereinander, fragt Euch dass Programm höflich, ob Ihr nicht doch lieber für den Rest des Spiels in den Easy-Mode wechseln möchtet. Bonusspiele gibt es nicht wirklich, allerdings kommt es schon Mal vor das Ihr den fliegenden Kratos durch enge Tunnel an Hindernissen aus allen Richtungen vorbei führen müsst – ähnlich Star Wars-Flugsimulationen im Todesstern. Daneben bietet Euch Aphrodite ein kleines Sexspiel an, in welchem Ihr, wie sonst bei größeren Gegnern, die richtigen Tasten zum rechten Zeitpunkt drücken müsst, damit die Liebesgöttin in Ekstase gerät. Ähnliches gab es ja bereits in den Vorgängern.

Das Design:

God of War setzt grafisch Maßstäbe: Die gigantischen Endgegner, die stimmungsvollen Umgebungen und die realistisch animierten Figuren verblüffen den Betrachter auch noch nach vielen Spielstunden. Gleich zu Beginn wird man auf eine halsbrecherische Achterbahnfahrt zum Olymp mitgenommen. Gemeinsam mit den Titanen versucht Kriegsgott Kratos das Domizil der Götter zu erstürmen. Wilde Kamerafahrten und ein nahezu perfekt inszenierter  Kampf mit dem Meeresgott Poseidon prägen die ersten Spielminuten.  Dieser greift in Form eines riesigen Wasser-Pferde-Skorpions an und es bedarf der Mithilfe der Titanin Gaia, um den aufdringlichen Wasserspeier zu Fall zu bringen. Grafisch wie spielerisch fährt dieses Intro alle Geschütze auf und bei aller Begeisterung fragt man sich schon, was denn dann im restlichen Spiel da noch kommen soll. Aber es besteht kein Grund zur Sorge, auch nach diesem furiosen Start nimmt die Dynamik in GoW3 nicht ab, sondern stetig zu. Ob dunkle Höhlen und Tunnel, brennende Städte oder prachtvolle Paläste – die Liebe zum Detail merkt man jedem Spielabschnitt an. Spiegel-, Licht- und Schatteneffekte erreichen einen bemerkenswerten Realismus, der besonders auf Full HD LCDs bei einer Auflösung von 1920×1080 Bildpunkten sein volles Potential entfaltet. Die Texturen sind detailliert sowie fein gezeichnet und lassen Gesichter und Muskeln besonders lebensecht erscheinen.

Explosionen, Flammen, einstürzende Bauten, das Ende der Welt – GoW3 lichtet ein einziges überdimensioniertes Grafikfeuerwerk ab, welches viele andere Titel in die „Schäm-Dich“-Ecke verweist. Allein Titel wie Assassin`s Creed 2 oder Final Fantasy 13 können in der selben Liga mitspielen, ist das Design jeweils auch ein völlig anderes. Jedoch ist das Ganze in Hinblick auf die Brutalität des Spiels nicht ganz unproblematisch: Wenn Kratos Poseidon alle Knochen blickt, und der Spieler dies aus der Ego-Perspektive des Wassergottes erlebt, hinterlässt dies schon einen merkwürdigen Beigeschmack. Gleiches gilt für die Enthauptung des Helios mit bloßen Händen (man kann fast sehen wie sich die Sehnen und Bänder am Hals erst dehnen und dann reißen) oder das extrem grausame Endes von Herkules. Daher ist das Spiel zu Recht erst ab 18 in Deutschland erhältlich. Zur gelungenen optischen Präsentation passt der ebenfalls stimmungsvolle, gebührend krachende Orchester-Soundtrack. Dieser greift die bekannten Themen der Serien auf und untermalt die jeweilige Spielsituation atmosphärisch passend.

Das Fazit:

GoW3 bringt die Trilogie zu einem gebührend furiosen Ende und zeigt, zu welchen Leistungen die PS3 auflaufen kann. Es profitiert von der dichten Atmosphäre, der fulminanten Präsentation sowie von dem durchdachten wie nicht allzu komplizierten Spielkonzept. Allerdings lässt sich hier zugleich auch ein Kritikpunkt festmachen: spielerische Abwechslung suchen Serienveteranen/innen vergebens, die Mechanik ist im Grunde die gleiche wie schon im ersten Teil. Jedoch lässt sich dies nur eingeschränkt bemängeln, denn warum sollte man krampfhaft versuchen etwas zu verbessern – und somit Gefahr laufen es eigentlich zu verschlechtern – wenn es ohnehin schon gut war. Wer nach einem spaßigen, schnellen wie teils auch sehr fordernden Actiontitel sucht, investiert sein Geld hier in eine sichere Sache. Allein schon die grafische Aufmachung motiviert zu einem erneuten Durchspielen, denn Dimension wie Detailreichtum begeistern nachhaltig. Unser Urteil: Sehr gut (-). Allerdings sollte dieses Spiel ausschließlich von Erwachsenen konsumiert werden, ist der extrem gewalttätige (teils auch sexuelle) Inhalt doch alles andere als für Minderjährige geeignet. Der erreichte grafische Realismus macht die expliziten Darstellungen besonders kritisch. Die absolute „ab 18“-Regelung ist somit nicht nur sinnvoll, sondern begrüßenswert.

God of War 3 erschien am 19.März 2010. Die deutsche Version kommt ungeschnitten und kostet derzeit zwischen 50 und 70 EUR. Kluge Käufer nutzen die Wirtschaftskrise und kaufen den Titel online in England; hier kostet das Spiel momentan knapp 35 Pfund, beim aktuellen Tageskurs sind das etwa 39 EUR. Allerdings ist das Spiel dann natürlich komplett auf Englisch. Neben der Standard-Version ist auch eine Ultimate Edition erhältlich. Die Spielzeit liegt bei 10 Stunden (+).

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