Skip to content

Geschichte der RPGs Teil 1: Die Ära der 2D-Konsolen-RPGs

06/11/2009

Wie angekündigt beginnen wir in unserem ersten von fünf Teilen zur Geschichte der RPGs mit den klassischen Japan-Rollenspielen für die 8- und 16-Bit-Konsolen. Falls Ihr das Präludium zu dieser Reihe verpasst habt, könnt Ihr es hier nach lesen. Viele Ideen und Stilmittel aus dieser Ära sind bis heute wesentliche Bestandteile von Rollenspielen aus Fernost.  Die Einflüsse auf die Spielegattung insgesamt sind nicht von der Hand zu weisen.

Doch welches lässt sich als das erste richtige Konsolen-RPG definieren? Diese Frage kann durchaus unterschiedlich beantwortet werden. Doch ein Spiel wird besonders oft als der Prototyp japanischer Konsolen-Quelle:http://entropypump.files.wordpress.com/2007/12/dragonquest1.pngRPGs genannt: Dragon Quest. Diese kleine 8-Bit Besonderheit stammt aus dem Hause Enix – als es Square noch nicht brauchte – und kam im Jahre 1986 für das Famicom / NES auf den Markt. Vorerst nur dem Heimatland von Nintendo & Co. vorbehalten, wurde der Titel 1989 in den USA unter dem Namen Dragon Warrior veröffentlicht. In Europa, geschweige denn in Deutschland, kam das Spiel nie heraus. Dabei setzte es Maßstäbe für das Genre, zumindest für Konsolen-RPGs. Es ist für dieses in etwa das, was Zork für Text-Adventures war, oder Dune für Echtzeitstrategiespiele. Bis heute erscheinen Dragon Quest-Titel, die sich besonders in Japan stets zu Rekordzahlen verkaufen lassen. Und bis heute sind die Einflüsse dieses Urgesteins der Konsolen-RPGs in vielen anderen Spielen sichtbar.

Die Haupthandlung ist – für heutige Verhältnisse- unspektakulär und schnell erzählt: Als Nachkomme eines legendären Helden zieht man los, um einem fiesen Gegenspieler das Handwerk  zu legen; dieser hat ein wertvolles Artefakt sowie die Prinzessin entführt. Allerdings überrascht das Spiel mit vielen kleinen Sub-Stories und Side-Quests, die es zu erledigen gilt. Die Dialoge mit anderen  Charakteren, den so genannten NPCs machen einen der Kernaspekte des Spiels aus. Es reduzierte weiter die vielen Zahlen und Statistiken großer PC-Vorbilder seiner Zeit (etwa Ultima) und machte Rollenspiele somit viel dynamischer. Spieltechnisch führte es Hitpoints (HPs) und Magicpoints (MP), Upgrades für Waffen, ein stufenweises Zauber-System sowie rundenbasierte Kämpfe ein. Zudem machte es z.B. durch die Begrenzung tragbarer Items das Spielgeschehen realistischer; der Spieler musste nun abwägen und entscheiden, ob er etwas behalten möchte oder nicht. Auch hinsichtlich des Designs wurde Dragon Quest zum Vorreiter für wichtige Elemente, die viele Nachfolger übernehmen sollten. Wie etwa die ‚Top-Down’-Perspektive, die den Spieler das Geschehen von oben betrachten lässt;  die Spielcharaktere finden sich ebenso in abgewandelter Form in vielen anderen RPGs wieder. Dragon Quest ist somit  in vielerlei Hinsicht der Ursprung der japanischen Konsolen-Rollenspiele und es gilt bis heute als eines der einflussreichsten NES-Games überhaupt.

Aber ganz allein hat es den Boom um dieses Genre nicht begründet.  Nur ein Jahr nach Enix `s Top-Titel wurde Quelle: http://4.bp.blogspot.com/_iQOK49uK_MU/Sqk7kzF906I/AAAAAAAAAJI/yGhBWMJCGsE/s400/final+fantasy+nes.pngeine andere, ebenfalls bis heute sehr populäre RPG-Reihe auf dem NES begonnen: das fantastische Final Fantasy. Dieses  erschien 1987 (1990 in den USA) und war für die Entwickler von Square die letzte Hoffnung auf Erfolg – bei einem Scheitern hätte man den Betrieb aufgeben können. Das Team um Produzent Hironobu Sakaguchi muss daher über den – verdienten- riesigen Erfolg mehr als überrascht gewesen sein.

Das Spiel übernahm zwar einiges von Dragon Quest, fügte allerdings viele sinnvolle Erweiterungen hinzu – und entwickelte das RPG-Konzept so konsequent weiter. Die wichtigste Erneuerung ist wohl das „Party“-Element gewesen: der Spieler steuert nicht nur einen Helden, sondern führt eine ganze Gruppe von Heroen durch das Abenteuer. Während der Kämpfe muss man dementsprechend mit ganzen Monsterhorden fertig werden. Dies führt zu mehr Komplexität und taktischer Tiefe in den Duellen. Zudem kommen erstmals auf der Konsole Job-Klassen ins Spiel. Dadurch bekam die zuvor recht statische Charakter-Entwicklung neue Impulse. Man war nicht länger nur der „Held“, sondern konnte sich fortan als Krieger, Ritter, Ninja, Zauberer usw. profilieren.

Die Handlung ist ebenfalls noch recht „rudimentär“, hat aber bereits mehr Facetten und Tiefe als es noch bei Dragon Quest der Fall war. Vor allem die Rückgriffe auf bekannte Mythen und Legenden geben der Story mehr Reiz. Zudem legte der erste Teil viele Grundsteine für folgende Titel der Serie, die bis heute Verwendung finden.

Für Segas Mastersystem, dem direkten Konkurrenten des NES, kam im Grunde nur ein einziges nennenwertes RPG heraus: Phantasy Star aus dem Jahre 1988. Dieses bestach dafür aber auch mit außergewöhnlicher Qualität – in Gameplay und Design. Anders als Nintendo konnte Sega damals nicht auf Dritthersteller wie Square oder Enix zurückgreifen, standen diese durch Exklusiv-Verträge nicht zur Verfügung. Daher musste man die Sache selbst in die Hand nehmen.

Im Gegensatz zu Final Fantasy oder Dragon Quest stehen bei Phantasy Star keine „Schablonen“-Helden im Mittelpunkt, die erst vom Spieler mit digitalem „Leben“ gefüllt werden müssen. Viel eher fährt das Spiel Quelle: http://www.efkm.com/dezoris/ps_ps1.gifmit ausdifferenzierten Charakteren auf, die eine eigene Persönlichkeit und Geschichte vorweisen. Erstmals steuerte man auch explizit eine Heldin,  die loszieht um ihren Bruder zu retten. Was Gendering angeht, war dieses Spiel also quasi seiner Zeit voraus. Und auch die mittelalterliche Fantasywelt ließ das Spiel größtenteils hinter sich – nun galt es das Universum zu erkunden. Zwar behielt man Elemente wie Ritter, Zauber und Monster bei, vermengte diese aber mit Raumschiffen, fremden Planeten usw. Jedem der Planeten wurden dabei eigene Charakteristika wie etwa ein immer unterschiedliches Klima, lokale Bewohner usw. verliehen. Grafisch übertraf es teilweise die NES-RPGs und führte etwa Porträts bei Gesprächen mit den NPCs ein. Vor allem die Dungeons waren eine Neuheit, durchschritt man sie (in zugegebenermaßen simplem) 3D. Phantasy Star brach so mit einigen Konventionen und öffnete RPGs vor allem inhaltlich für mehr Kreativität. Wie bei den beiden anderen Spielen, erscheinen bis heute Teile der Phantasy Star-Reihe – zu letzt vor allem als Online-Spiel, etwa für die PSP.Quelle: http://www.racketboy.com/retro/phantasystar1.jpg

Doch war es insbesondere der Erfolg der beiden NES-Spiele , welcher den Hype um die Konsolen-RPGs auslöste. So etablierten Enix und Square gewissermaßen selbst das Genre, in welchen sie zu den Referenzgrößen überhaupt aufstiegen. Auch für die nächste Konsolen-Generation, dem 16-Bit SNES (weniger Segas Mega Drive), sollten dann zahlreiche RPGs erscheinen; einige schlechte, aber auch eine ganze Reihe empfehlenswerter Titel, die das Genre auf eine neue Ebene hoben.

Das SNES sollte hierbei zur absoluten RPG-Konsole werden. Vor allem die überlegene Grafikpower gegenüber dem Mega Drive sollte dies begünstigen – auch wenn Segas Maschine einen doppelt so schnellenQuelle: http://wiimedia.ign.com/wii/image/article/817/817485/BreathOfFire2_20070827_5_1188852345-000.jpgHauptprozessor besaß. Wesentlicher Vorteil war zudem die exklusive Bindung von Enix und Square an Nintendo – beide sollten ihre Hauptserien auf dem SNES weiterführen und zusätzliche Titel kreieren. Neben weiteren Final Fantasy und Dragon Quest Teilen kamen so neue Franchises und Einzelspiele hinzu. Auch andere namhafte Hersteller, wie etwa Capcom, veröffentlichten fortan qualitativ hochwertig RPGs. Trotz des großen Erfolgs wurden allerdings nur sehr wenige davon in Deutschland veröffentlicht.

Die vielen SNES-RPGs erfanden dabei das Rad nicht neu, wiesen aber alle ganz eigene Stories, Charakter- und Spieldesigns sowie Kampf-, Level-Up- und Zauber-Systeme auf. Die Geschichten wurden immer komplexer,  die Settings decken alle erdenklichen Fantasy- und Sci-Fi-Scenarien ab. Zu nennen wären hier etwa Breath of Fire von Capcom,  Lufia von Taito, Romancing Saga 3 und viele, viele mehr. Alles möglich wurde ausprobiert – so schuf Nintendo etwa mit Earthbound (Mother 2) ein RPG das in der Gegenwart angesiedelt ist. Ein weiteres sehr wichtiges Spiel ist Chrono Trigger (dem wir hier ein ausführliches Review gewidmet haben): Grafisch und Spieltechnisch stellt es einen der Höhepunkt dieser Ära dar. Final Fantasy 6 bewies außerdem, welch epische Ausmaße eine RPG-Story annehmen kann. Zudem wurde der Manga-/Anime-Einfluss insgesamt immer größer.

Quelle: http://www.rodrigoroman.com/rrc2soft/rpg_newbie/images/newbie/ff6.gifDarüber hinaus wurden auf dem SNES Gräben überwunden und Grenzen verwischt: Action-Rollenspiele formten schon bald eine eigene Sub-Klasse der Konsolen-RPGs. Vereinfacht gesagt, vermischten sie Spielmechanismen von Zelda mit klassischen RPG-Elementen. Man kämpfte nicht länger rundenweise auf einem gesonderten Battlescreen, sondern stellte sich seinen Gegnern in „Echtzeit“ – ganz wie im großen Vorbild. Auch die ist UmgebungQuelle: http://i3.ytimg.com/vi/j_Ji3L6DJ0o/hqdefault.jpg häufig interaktiver als in klassischen Rollenspielen; plötzlich konnten die Helden rennen und springen. Diese Spiele weisen daher eine besondere Dynamik auf. Zugleich erhält man für besiegte Monster Erfahrungspunkte, Geld, Items usw. Charakterentwicklung, Zauber und nicht zu letzt die Stories sorgen so für die nötige Komplexität eines RPGs. Die Secret of Mana-Reihe (Square) ist hier als das Aushängeschild der Action-RPGS zu sehen. Leider wurde der geniale zweite Teil für das SNES  nie außerhalb Japans veröffentlicht. Weitere Topspiele dieser Art sind Secret of Evermore, Illusion of Time (auch Soulblazer 2 genannt) oder auch E.V.O. Weiter wurden auch die ersten Strategie-RPGs zu dieser Zeit veröffentlicht. Prominente Vertreter sind Fire Emblem von Nintendo oder die Shining Force-Serie von Sega für den Mega Drive. Hier wurden taktische Kämpfe und Truppen-Management mit typischen RPGs verbunden. Und Mit Super Mario RPG wurde sogar ein Hybride mit dem Jump-n-Run Genre erschaffen.

Quelle: http://allspark.net/cypherswipe/ShiningForceGenesis1.png

Bis zu Ende der 16-Bit Ära erschienen erstklassige Rollenspiele, doch kaum noch eines wurde auf den westlichen Markt veröffentlicht. Viele Spiele blieben so nur japanischkundigen Importspielern vorbehalten – erst mit dem Internet, Emulatoren, Roms und Fan-Übersetzungen kamen viele Titel dann eher indirekt (und illegal) nach Europa und die USA. Rudra`s Treasure, Treasure Hunter G und Star Ocean wären nur einige Beispiele.

Quelle: http://www.retrogamer.net/users/1801/thm1024/rudra3.jpg

Mit den Next-Generation-Konsolen sollte sich vieles ändern, besonders für Nintendo. Seinen Status als exklusiver Plattformgeber für zahllose RPGS würde mit dem N64 enden und an Sonys Playstation übergehen. Bis heute muss sich Nintendo von diesen Verlust erholen, was unterstreicht, wie wichtig das Genre als ökonomischer Faktor in der Spielebranche geworden war und nach wie vor ist. Doch dazu mehr im nächsten Teil.

Lest im zweiten Teil wie sich die Konsolen RPGs in der 3D-Ära von der PS1 bis heute weiterentwickelt habe. Nach Abschluss der Konsolen-RPGs beginnen wir dann die Geschichte der  PC-RPGs. Viele der genannten Titel werden noch mal in eigenen Reviews genauer durchleuchtet.

Advertisements
2 Kommentare leave one →
  1. Chrono permalink
    06/11/2009 03:38

    Super toller Artikel möchte sehr gerne mehr davon lesen!!!

  2. creepy permalink
    08/11/2009 03:08

    coole Bilder, cooler Text

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: