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Alpha-Spiele 2: Stille Größe…

18/10/2009

Review: Shadow of the Colossus (PS2)

Quelle:http://news.softpedia.com/images/news2/Shadow-of-the-Colossus-is-Comming-to-Europe-2.jpg

Nur sehr Selten gelingt es Gamesdesignern den Spieler vollkommen in die von ihnen erschaffenen Welten zu ziehen und nachhaltig zu beeindrucken. Sonys Entwicklern des Ausnahmespiels Shadow of the Colossus ist  dies mit einem puristischen, klaren wie zu gleich mystischen Ansatz genau gelungen. Ein wahres Alpha-Spiel aus der Endzeit der PS2-Ära, von dem viele, viele andere etwas lernen können – finde ich zumindest. Lest, warum…

Die Handlung:

Der junge, wortkarge Krieger Wanda macht sich mit seinem Pferd Agro dazu auf, das ebenfalls junge Mädchen Mono (wahrscheinlich seine Geliebte) nach ihrer Opferung aus dem Reich der Toten zu retten – dazu betritt er mit ihr ein weit entferntes, verwunschenes Königreich. Hier soll  in einem großen Tempel ein mächtiges Wesen über die Kraft verfügen, Verstorbene wieder ins Leben zu führen. Jedoch scheint der Ort seit langem verlassen.

Nachdem Wanda die leblose Maid dann auf einen Schrein gelegt hat, wollen ihn plötzlich mehrere schattenartige Kreaturen behelligen – sie lassen aber von ihm ab, als sie sein SchwertQuelle: http://www.binarymoon.co.uk/files/images/sotc_1.jpg mysteriös aufleuchten sehen. In diesem Moment spricht eine dunkle Stimme zu ihm und gibt sich als das in diesem unbekannten, stillen Lande eingesperrte, aber auch mächtige Wesen Dormin zu erkennen. Es teilt Wanda mit, seine Waffe wäre etwas ganz Besonderes und erklärt: wenn der Jüngling die Kraft, Tote wiederzubeleben zu können, freisetzten möchte, so müsse er 16 Kolosse bezwingen. Diese leben über das ganze Land verstreut und haben jeder ganz spezifische Eigenschaften. Sofort willigt  der junge Held ein und lässt sich von dem undurchschaubaren Geisterwesen den Standort des ersten Kolosses zeigen…

Hier beginnt Shadow of the Colossus, dessen Handlung – trotz Verwendung lauter genretypischer Storyelemente- früh eine andere Richtung nimmt, als man vielleicht vermutet. Vor allem das Ende das Spiels weis durch unerwartete Wendungen zu überraschen.Verraten möchte ich hier nichts, denn genau dies macht einen Großteil des Reizes aus. Es soll nur gesagt sein: die melancholisch-dramatische Geschichte um Wanda und die Kolosse vermag Gänsehaut auszulösen und regt die Fantasie an. Reduktion ist hierbei – wie auch in der Präsentation und Spielmechanik – von entscheidender Bedeutung; in kaum einen anderen Spiel ist Minimalismus je so effektiv und kunstvoll umgesetzt worden.

Die Spielmechanik:

Schwert, Bogen, Pferd – all das erinnert schwer an bekannte Adventure-Titel wie etwa Zelda. Bis auf diese Elemente und vielleicht die Tatsache, dass man Wanda in der 3rd-Person-Perspektive durch eine 3D-Umgebung steuert, war es das aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Vergeblich sucht man nach Statusanzeigen, Menus, Items etc. Der Blick auf Quelle: http://ps2media.gamespy.com/ps2/image/article/693/693430/shadow-of-the-colossus-feature_1143746211.jpgdie – für PS2-Verhältnisse – atemberaubende Landschaft wird durch nichts von alle dem getrübt. Nur wenn es zu Kletteraktionen oder zum Kampf kommt, werden einige wenige Anzeigen sichtbar: ein rosa Kreis, dessen Größe Eure Ausdauerkraft beim Klettern zeigt, ein roter Balken für Eure Lebensenergie sowie ein Feld in dem die aktuelle Ausrüstung angezeigt wird.

Letztere ist allerdings auf Schwert und Bogen beschränkt; es gibt keine Items zu finden oder zu kaufen, auch neue Waffen erhaltet Ihr nicht. Es gibt keine Interaktion mit NPCs, denn im verwunschenen Land lebt niemand außer den Kolossen. Keine Dialoge, kein Handel. Keine Subquests oder sonstige Nebengeschichten. Es gibt nicht einmal „normale“ Gegner, die in so vielen anderen Spielen massenhaft durch die Gegend streifen. Einsamkeit und Stille herrschen bei Shadow of the Colossus vor. Hört sich langweilig an und macht alles falsch, was man in einem Adventurespiel nur falsch machen kann? Mit Nichten! Durch die gelungene Komposition der vorhandenen Spielelemente vermisst man keines der oben genannten klassischen Adventure-Features.

Dem intendierten Purismus stehen fordernde wie intelligente Kletter- und Springpartien sowie die monumentalen Kämpfe gegen die 16 sehr unterschiedlichen Kolosse gegenüber. Um sie zu finden hebt Ihr das Schwert auf dem Rücken Eures Pferdes gen Himmel und folgt dem Lichtstrahl, der sich auf den Aufenthaltsort der Giganten konzentriert. Die Suche und die Reise sind für sich schon oftmals eine gewisse Herausforderung.

Die teils sehr schweren Duelle sind aber der wahre Kern des Spiels.Für jeden der Riesen – wobei einige wenige von ihnen auch mal etwas kleiner sind – gibt es eine neue Strategie, die zumQuelle: http://chud.com/articles/content_images/5/shadow-of-the-colossus.jpg Sieg führt. Um die mächtigen Kreaturen  bezwingen zu können, müssen ihre Besonderheiten, das Gelände usw. in den taktisch anspruchsvollen Kämpfen berücksichtigt werden. Dabei gibt es spannende Auseinandersetzungen im Wasser, zu Lande und hoch oben in der Luft.

Um die Kolosse schließlich zu Fall zu bringen, müsst Ihr sie mit dem Schwert an verschiedenen Körperstellen durchbohren, bevor ihr den Todesstoß – meist in den Kopf – versetzt. Um soweit zu kommen müsst Ihr nicht selten erst den riesenhaften Körper Eurer Widersacher erklimmen – die setzen alles daran Euch mit voller Wucht abzuschütteln und zu zerstampfen. In diesen Situationen ist dann Eure Geschicklichkeit gefragt: so springt, klettert und klammert Ihr Euch bei heftiger Gegenwehr zu den Schwachstellen der Kolosse. Hier wird das Spiel oft besonders fesselnd: Stück für Stück arbeitet man sich an den riesenhaften Geschöpfen entlang, stets der Gefahr eines tiefen Sturzes oder Schlimmeren ausgesetzt; verschwitzte Hände sind bei der nervenaufreibenden, sehr spannenden Jagd auf die Kolosse garantiert. Einige der 16 Monster können außerdem Feuer speien, „Bomben“ spucken oder sind besonders flink. Falls es während der Kämpfe eng wird, könnt ihr jedoch schnell die Flucht antreten und Euch an bestimmten Schreinen regenerieren. Dieses sind über das ganze Land verteilt.

Nach jedem besiegten Gegner absorbiert ihr schwarze „Energie-Fäden“, die aus den toten Kolossen strömen und werdet wieder in den Haupttempel teleportiert. Dort zerberstet für jeden gewonnen Kampf eine von 16 Statuen, die die Kolosse darstellen.

Das Design:

Weniger ist mehr – in diesem Falle viel mehr. In keinem anderen Spiel hat man sich jemals so klein gefühlt. Genau das macht die dichte, surreale Atmosphäre aus. Die riesige, endlose Umgebung vermittelt ein intensives Gefühl von Einsamkeit. Es ist sehr still. Wie ein Gemälde, in kühlen Farben gehalten, wirkt die Quelle: http://i39.tinypic.com/33dgtw9.jpgLandschaft:  man reitet durch weite grüne Ebenen,  durch Wüsten, an Gebirgsketten oder Flüssen vorbei; der Tempel und die Brücke zur Außenwelt sind von imposanter Überdimensionalität; die Fantasie zur Geschichte dieses Landes wird, da  kaum Antworten gegeben werden, nicht zu letzt durch diese beeindruckenden Impressionen angeregt. All dies gehört grafisch zum Besten, was die PS2 zu bieten hat.

Die Designer wissen genau, wann und wie sie die wenige – aber sehr gute – musikalische Untermalung einsetzen müssen. So bricht die Stille beim Zusammentreffen mit den Kolossen geradezu auseinander; dramatische Orchesterstücke geben den raschen Takt der dynamischen Kämpfe wieder. Die spannenden Kamerafahrten sowie die imposant in Szene gesetzten Riesen machen das Spiel endgültig zu einem audio-visuellen Erlebnis.

Die Kolosse selbst werden ihrer Rolle als mystisch-geheimnisvolle Giganten vollkommen gerecht. Sie wirken wie eine Mischung aus organischer Kreatur und lebendigem Monument und treten in vielen verschiedenen Formen auf: als Minotaurus, Ritter,  Bulle, Pferd, Vogel, Krieger, Magier usw. Obwohl sie sich optisch durch verschiedene Stilmittel ähneln, sind alle Modelle doch ganz eigenständige Schöpfungen – flüssig animiert, mit vielen Details und von wahrlich kolossaler Größe. Zudem unterscheiden sich die Wesen auch „charakterlich“: So sind einige besonders aggressiv, andere reagieren dabei erst, wenn sie angegriffen werden.

Fazit:

Shadow of the Colossus ist eines jener Spiele, die beweisen, welch künstlerisches Potential in einem Computer-/Videospiele versteckt sein kann. Durch sein ungewöhnliches, aberQuelle: http://www.thespeedgamers.com/wp-content/uploads/2009/09/Shadow-of-the-colossus.jpg letztlich intelligentes und beeindruckendes Design sowie die packende Handlung ist es ein absoluter Geheimtipp für die PS2. Ein Spiel das Fantasie wie Gedanken anregt, motivierend, fordernd (teils sehr schwer) und einfach nur wunderschön ist. Für mich ein Meilenstein des Gamedesigns der letzten Jahre, durch kluge Innovationen – durchaus wegweisend für ein etabliertes, aber auch etwas eingeschlafenes Genre. Wir warten gespannt auf den Nachfolger für die PS3 ( auf der letzten E3 angekündigt). Ich kann das Spiel nur empfehlen, Urteil: Seht gut!

Shadow of the Colossus erschien im Oktober 2005 in den USA und Japan. Seit dem 14. Februar 2006 ist es in Deutschland erhältlich und kostete damals ca. 60 EUR. Die Spielzeit liegt bei ca. 12 Stunden+. Heute ist das Spiel im Einzelhandel kaum noch erhältlich, im Internet finden sich aber noch Anbieter (etwa Amazon) dies es neu für den Vollpreis verkaufen. Ansonsten empfiehlt es sich einen Blick auf Ebay oder in andere Secondhand-Shops zu werfen.

PS: Ebenfalls andere Wege gehend ist der Vorgänger Ico (PS2) au dem Jahr 2001 – wie Shadow of the Colossus ein Geheimtipp unter Kennern.

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2 Kommentare leave one →
  1. Lisl permalink
    25/10/2009 06:17

    Ich kann dem Autoren nur zustimmen! Obwohl es schon etwas länger her ist, dass ich Shadow of the Colossus durchgespielt habe, so regt mich die Beschreibung des Spiels dazu an, es erneut zu tun! Die Bilder und die Atmosphäre waren fantastisch, absorbierend! Auch wenn es nicht wirklich einfach war an dieses Spiel heranzukommen, so hat sich diese Mühe vollkommen ausgezahlt! Ich freue mich schon darauf erneut in Wandas Welt einzutauchen…und natürlich auch auf das neue Game…
    Danke, für diese gelungene Rezension…sie spricht mir aus der Seele 😉

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